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Wundheilung nach OP verständlich erklärt – Schweiz

Wundheilung Fachbegriffe: Was steht in meinem Arztbrief?

Nach einer Operation ist der Entlassungsbrief voll mit Begriffen wie «per primam», «seröses Sekret», «Redon-Drainage» oder «Granulationsgewebe». Was bedeutet das alles? Hier erklären wir jeden Fachbegriff rund um die Wundheilung – verständlich, mit Normwerten und ohne Medizinstudium.

Illustration von Wundheilungs-Fachbegriffen nach einer Operation

Warum Wundheilungs-Fachbegriffe so verwirrend sind

Wer nach einer Operation den Entlassungsbrief oder den Wundbefund liest, trifft auf eine eigene Fachsprache. Die Chirurgie dokumentiert die Wundheilung sehr präzise – jedes Sekret, jede Drainagemenge, jede Abweichung vom Normverlauf wird beschrieben. Das ist medizinisch sinnvoll, für Patientinnen und Patienten aber kaum verständlich.

Das führt zu einer paradoxen Situation: Gerade in der Phase nach einer Operation, in der Betroffene ihren Körper genau beobachten und Abweichungen erkennen sollen, verstehen sie die Begriffe nicht, mit denen der Arzt den Heilungsverlauf beschreibt. Ein «reizloses Wundbild mit serösem Sekret» klingt beunruhigend – ist aber eine sehr positive Aussage. «Geringe hämorrhagische Fördermenge in der Redon» klingt nach einem Problem – ist aber in den ersten Stunden nach einer OP vollkommen normal.

Auf dieser Seite erklären wir alle wichtigen Fachbegriffe rund um die Wundheilung – genau so, wie sie in chirurgischen Berichten, OP-Berichten und Entlassungsbriefen auftauchen. Wenn Sie Ihren konkreten Arztbrief vollständig erklärt haben möchten, können Sie ihn bei arztbrief-verstehen.ch hochladen.

Was Sie hier finden

Erklärungen aller Fachbegriffe zur Wundheilung, Normwerte für Wundsekret und Drainage, Beschreibung der Heilungsphasen und Hinweise, wann ein Begriff positiv oder besorgniserregend ist.

Was Sie hier nicht finden

Diagnosen, Therapieempfehlungen oder eine Beurteilung Ihrer persönlichen Wunde. Bei konkreten Beschwerden nach einer Operation wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder die behandelnde Klinik.

Die drei Phasen der Wundheilung – und ihre Fachbegriffe

Jede Wunde heilt in drei aufeinanderfolgenden Phasen. Diese Phasen überlappen sich zeitlich und laufen beim gesunden Menschen automatisch ab. Wer die Phasen kennt, kann viele Begriffe im Arztbrief sofort einordnen.

1. Entzündungsphase (Tag 1–5)

Unmittelbar nach der Verletzung oder dem Eingriff beginnt der Körper mit der Blutstillung (Hämostase) und einer kontrollierten Entzündungsreaktion. Das klingt schlimmer als es ist: Diese Entzündung ist gewollt – sie reinigt die Wunde und bereitet das Gewebe auf die Heilung vor. Typische Zeichen in dieser Phase sind Rötung (Rubor), Wärme (Calor), Schwellung (Tumor), Schmerz (Dolor) und eingeschränkte Funktion (Functio laesa) – die klassischen fünf Entzündungszeichen nach Celsus. Im Arztbrief lesen Sie: «physiologische Wundentzündung», «entzündliche Reaktion regelrecht», «Wundödem rückläufig».

2. Proliferationsphase (Tag 5–21)

In dieser Phase wird der Wunddefekt aufgefüllt. Neue Blutgefässe wachsen ein (Angiogenese), Fibroblasten produzieren Kollagen, und es entsteht Granulationsgewebe – das rötlich-körnige Füllmaterial der Wunde. Gleichzeitig beginnen die Wundränder, sich zusammenzuziehen (Wundkontraktion). Im Arztbrief: «regelrechte Granulation», «Wundgrund gut durchblutet», «Epithelisierung schreitet fort». Das sind alles positive Aussagen.

3. Remodellierungsphase (ab Woche 3 – bis zu 2 Jahren)

In dieser langen Schlussphase wird das provisorische Kollagen durch reiferes, festeres Narbengewebe ersetzt. Die Narbe verblasst, wird flacher und fester. «Narbenmaturierung» oder «Narbenreifung» sind die Fachbegriffe dafür. Eine frische Narbe ist noch rot und etwas erhaben – das ist normal. Erst nach 6–24 Monaten ist eine Narbe vollständig ausgereift.

PhaseZeitraumWas passiertTypische Begriffe im Befund
EntzündungsphaseTag 1–5Blutstillung, Wundreinigung, Immunabwehr«physiologische Entzündung», «Wundödem»
ProliferationsphaseTag 5–21Granulationsgewebe, Kollagenaufbau, Epithelisierung«regelrechte Granulation», «Epithelisierung»
RemodellierungsphaseAb Woche 3Narbenreifung, Kollagenumbau«Narbenmaturierung», «reizlose Narbe»

Per primam und per secundam – der wichtigste Unterschied

«Per primam intentionem» und «per secundam intentionem» sind die zwei grundlegenden Heilungsarten, die in fast jedem chirurgischen Bericht erwähnt werden. Der Unterschied ist einfach, aber entscheidend.

Per primam intentionem (direkte Heilung)

Die Wunde heilt direkt zu. Die Wundränder liegen eng aneinander – durch eine Naht, Klammern oder Klebstreifen zusammengehalten. Es gibt keinen oder nur minimalen Gewebeverlust, keine Infektion. Der Körper muss keine grosse Lücke auffüllen, sondern «nur» die Wundränder miteinander verkleben. Ergebnis: Eine feine, schmale Narbe. Das ist der Normalfall nach geplanten operativen Eingriffen. Im Arztbrief: «Wundverschluss per primam», «Heilung per primam erwartet», «regelrecht per primam verheilend».

Per secundam intentionem (offene Heilung)

Die Wunde bleibt offen und heilt von innen nach aussen – durch Granulationsgewebe, das den Defekt auffüllt, und anschliessende Epithelisierung (Neubildung der Deckschicht). Das dauert deutlich länger, hinterlässt eine breitere Narbe und erfordert regelmässige Wundversorgung. Indiziert bei infizierten Wunden, Bisswunden, stark kontaminierten Verletzungen oder nach Abszessspaltung. Im Arztbrief: «offene Wundbehandlung», «Heilung per secundam», «Wundkonditionierung», «Verbandwechsel täglich».

Verzögerte Primärnaht (per tertiam)

Ein Mittelweg: Die Wunde wird zunächst offen gelassen (2–5 Tage), und erst nach Sicherstellung, dass keine Infektion vorliegt, wird sie genäht. Typisch nach Biss- oder Schussverletzungen, nach Operationen bei Peritonitis. Im Arztbrief: «verzögerte Primärnaht», «sekundäre Wundnaht».

Per primam – Merkhilfe

«Prima» = erste, direkte Heilung. Wundränder berühren sich. Feine Narbe. Normalfall nach geplanter OP.

Per secundam – Merkhilfe

«Secunda» = zweite, indirekte Heilung. Wunde heilt von innen. Breitere Narbe. Bei Infektion oder offener Wunde.

Wundsekret verstehen – was ist normal, was nicht?

Das Wundsekret – also die Flüssigkeit, die aus einer Wunde austritt – wird im Arztbrief und Wundprotokoll nach Art, Menge und Farbe beschrieben. Diese Beschreibung ist wichtig, weil sie zeigt, ob die Wunde normal heilt oder ob eine Komplikation vorliegt. Hier sind alle Sekrettypen mit ihrer Bedeutung und den Normwerten erklärt.

SekrettypAussehenBedeutungNormal?
Seröses SekretKlar, wasserklare bis leicht gelblichLymphflüssigkeit und Blutserum – Zeichen aktiver Heilung✓ Normal, besonders Tag 1–5
Hämorrhagisches SekretBlutig rotBlutbeimischung – unmittelbar nach OP normal, danach abnehmend✓ Normal direkt nach OP
Serosanguinöses SekretRosé, blutigt-wässrigMischung aus serös und hämorrhagisch – Übergangsphase✓ Normal in den ersten Tagen
Purulentes SekretTrüb, gelblich-grünlich, dickflüssigEiter – Zeichen einer bakteriellen Infektion✗ Muss behandelt werden
Fibrinöses SekretGelblich, fadenziehendFibrinbelag auf der Wunde – Teil der normalen Entzündungsreaktion✓ Meist normal
Gallig / biliöses SekretGrünlich-gelb, dünnflüssigGalleaustritt – nur nach Bauchoperationen, immer abklären✗ Immer abklären

Die Menge des Sekrets wird in Millilitern (ml) pro 24 Stunden angegeben – besonders bei Drainagen. «Fördermenge 35 ml/24h seröses Sekret» bedeutet: In 24 Stunden sind 35 ml klare Wundflüssigkeit abgeflossen – das ist eine geringe, normale Menge. Mehr dazu im nächsten Abschnitt zu Drainagen.

Orientierungswert Drainagemenge:

Eine Drainage wird in der Regel entfernt, wenn die Fördermenge unter 20–30 ml pro 24 Stunden fällt und das Sekret klar (serös) ist. Diese Werte können je nach Operation und Chirurg leicht variieren.

Steht ein unklarer Begriff in Ihrem Entlassungsbrief?

Laden Sie Ihren Arztbrief oder Wundbefund hoch – wir erklären jeden Fachbegriff verständlich, individuell auf Ihr Dokument zugeschnitten.

Drainagen nach der Operation – alle Typen erklärt

Eine Drainage ist ein dünner Schlauch oder eine Lamelle, die nach einer Operation ins Wundgebiet oder in eine Körperhöhle eingelegt wird. Ziel ist es, Wundflüssigkeit, Blut oder Sekret abzuleiten – damit es sich nicht ansammelt, keine Infektionsquelle bildet und die Heilung nicht behindert. Im chirurgischen Bericht steht immer, welche Drainage eingelegt wurde, was sie gefördert hat und wann sie entfernt wurde.

Redon-Drainage (Saugdrainage)

Die Redon-Drainage ist die häufigste Drainage nach Operationen. Ein dünner Silikonschlauch wird ins Wundgebiet eingelegt und an ein Vakuumgefäss (Glasflasche oder Kunststoffbehälter mit Unterdruck) angeschlossen. Das Vakuum saugt die Wundflüssigkeit aktiv ab. Typischer Eintrag im Arztbrief: «Redon-Drainage in situ, Fördermenge 35 ml/24h seröses Sekret, am 2. postoperativen Tag entfernt.» Die Redon-Drainage wird entfernt, wenn die Fördermenge unter 20–30 ml/24h fällt und das Sekret klar ist.

Robinson-Drainage (Passivdrainage)

Im Gegensatz zur Redon läuft die Robinson-Drainage passiv durch Schwerkraft ab – ohne Vakuum. Der Schlauch ist perforiert (hat kleine Löcher) und leitet Flüssigkeit in einen Beutel. Verwendet z.B. nach Bauchoperationen oder in der Thoraxchirurgie. Im Arztbrief: «Robinson-Drainage liegend, klares seröses Sekret, Fördermenge rückläufig».

Thoraxdrainage (Pleuradrainage)

Nach Brustkorb-Operationen oder bei Pneumothorax (Luftansammlung in der Brusthöhle) wird eine Thoraxdrainage eingelegt. Sie leitet Luft und Flüssigkeit aus der Pleurahöhle ab. Typisch: «Thoraxdrainage rechts, Fördermenge 80 ml serosanguinöses Sekret, kein Luftleck.» «Kein Luftleck» ist ein wichtiger positiver Befund – er zeigt, dass die Lunge dicht ist.

Magensonde (nasogastrale Sonde)

Technisch keine Drainage, aber oft im Arztbrief erwähnt: Eine Magensonde ist ein Schlauch, der durch die Nase in den Magen geführt wird – zum Absaugen von Mageninhalt nach Bauch-OPs oder zum Ernähren. Im Arztbrief: «nasogastrale Sonde gezogen am 1. postoperativen Tag».

Jackson-Pratt-Drainage

Eine weiche Quetschball-Drainage, die durch Zusammendrücken eines Silikonballs Unterdruck erzeugt. Häufig in der Gynäkologie und Onkologie. Die Fördermenge wird regelmässig abgelesen und notiert.

In situ

«In situ» bedeutet «an Ort und Stelle» – die Drainage liegt noch im Körper und wurde noch nicht entfernt.

Gezogen / entfernt

Die Drainage wurde herausgezogen. Meist am 1.–3. postoperativen Tag, wenn die Fördermenge klein und das Sekret klar ist.

Fördermenge

Die Menge der abgeleiteten Flüssigkeit in ml pro 24 Stunden. Normziel für Entfernung: unter 20–30 ml/24h.

Luftleck

Beim Thorax: Zeichen, dass Luft aus der Lunge entweicht. «Kein Luftleck» ist positiv.

Komplikationen der Wundheilung – Fachbegriffe erklärt

Nicht jede Wunde heilt unkompliziert. Im Arztbrief werden Abweichungen vom Normverlauf präzise beschrieben. Hier sind die häufigsten Komplikationsbegriffe erklärt – mit dem Wissen, wann ein Begriff besorgniserregend ist und wann nicht.

Wundinfektion

Eine Wundinfektion liegt vor, wenn Bakterien in die Wunde eingedrungen sind und sich vermehren. Zeichen: purulentes (eitriges) Sekret, Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerz und oft Fieber. Im Arztbrief: «V.a. Wundinfektion», «Wundabstrich entnommen», «antibiotische Therapie eingeleitet». Die Klassifikation nach CDC unterscheidet oberflächliche (superfizielle), tiefe und organüberschreitende Infektionen.

Wunddehiszenz

Wunddehiszenz bedeutet, die Naht geht auf – die Wundränder klaffen auseinander. Risikofaktoren sind Infektionen, zu hohe Spannung auf der Naht, Diabetes mellitus, Kortikosteroid-Therapie, Adipositas, schlechte Durchblutung oder Mangelernährung. Oberflächliche Dehiszenz (nur Haut) ist weniger bedrohlich als tiefe Dehiszenz (durch alle Schichten bis in die Bauchhöhle – dann «Platzbauch», medizinisch Fasziendehiszenz oder Burst Abdomen). Im Arztbrief: «partielle Wunddehiszenz», «Revision der Wunde», «Sekundärnaht».

Serom

Ein Serom ist eine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut – meist Lymphflüssigkeit. Es fühlt sich als weiche, pralle Schwellung an, ist nicht schmerzhaft und häufig nach Operationen mit Lymphknotenentfernung (z.B. Axilla-Dissektion bei Brustkrebs). Kleine Serome bilden sich von selbst zurück. Grosse werden mit einer Nadel abpunktiert (Aspiration). Im Arztbrief: «Serom inguinal», «Seromaspiration 60 ml», «spontane Resorption».

Hämatom

Ein Hämatom ist eine Blutansammlung im Wundgebiet oder unter der Haut. Es entsteht, wenn eine Blutungsquelle nach der Operation nicht vollständig gestillt ist oder ein Gerinnungsproblem besteht. Kleine Hämatome werden resorbiert (vom Körper abgebaut). Grosse, unter Druck stehende Hämatome können eine operative Revision erfordern. Im Arztbrief: «Hämatom subkutan», «Wundhämatom stabil», «operative Hämatomausräumung».

Wundrandnekrose

Nekrose = Gewebetod. Wundrandnekrose bedeutet, dass Gewebe am Wundrand abgestorben ist. Es zeigt sich als schwärzlich-bräunliche oder graue Verfärbung. Ursachen: Durchblutungsstörung (z.B. bei pAVK), zu enge Naht, Infektion, Diabetes. Das abgestorbene Gewebe muss chirurgisch entfernt werden (Debridement). Im Arztbrief: «marginale Nekrose», «Débridement der Wundränder», «Wundrevision».

Fistel

Eine Fistel ist ein unnatürlicher Kanal, der sich zwischen zwei Organen oder zwischen einem Organ und der Körperoberfläche bildet. Nach Operationen im Bauchraum kann z.B. eine Darmfistel entstehen. Im Arztbrief: «enterokutane Fistel» (Darm zur Haut), «Fistelausgang an der Narbe», «Fistelverschluss».

KomplikationFachbegriffSofortmassnahme nötig?
WundinfektionWundinfekt, SSIJa – Arzt aufsuchen
Naht geht aufDehiszenz, Burst AbdomenJa – sofort
FlüssigkeitsansammlungSeromOft nein – beobachten
BlutansammlungHämatomJe nach Grösse
Abgestorbenes GewebeNekroseJa – chirurgische Abtragung
Unnatürlicher KanalFistelJa – fachärztliche Abklärung

Faden, Naht und Fadenzug – Fachbegriffe zur Wundnaht

Der Wundverschluss und die spätere Entfernung der Nähte werden im Arztbrief und im Procedere genau beschrieben. Hier sind alle relevanten Begriffe erklärt.

Nahtmaterialien

Resorbierbarer Faden

Wird vom Körper enzymatisch abgebaut – kein Fadenzug nötig. Z.B. Vicryl, PDS. Wird für innere Nähte (Faszie, Muskel, Subkutis) und intrakutane Hautnähte verwendet.

Nicht-resorbierbarer Faden

Wird nicht abgebaut – muss nach Heilung entfernt werden (Fadenzug). Z.B. Prolene, Ethilon. Für äussere Hautnähte.

Monofil / multifil

Monofiler Faden besteht aus einem einzigen Faden – weniger Infektionsrisiko. Multifiler Faden ist geflochten – besser handhabbar, aber höheres Infektionsrisiko.

Intrakutannaht

Naht innerhalb der Haut – von aussen unsichtbar, kein Fadenzug nötig. Hinterlässt feinste Narbe.

Einzelknopfnaht

Jeder Stich wird einzeln geknüpft. Bei Infektionsrisiko bevorzugt, da man einzelne Stiche öffnen kann ohne die gesamte Naht zu lösen.

Fortlaufende Naht

Ein kontinuierlicher Faden ohne einzelne Knoten. Schneller, aber bei Infektion muss die gesamte Naht geöffnet werden.

Fadenzug – Zeitpunkte nach Körperregion

KörperregionFadenzug nachBegründung
Gesicht5–7 TageGute Durchblutung, schnelle Heilung, kosmetisch wichtig
Kopfhaut7–10 TageEbenfalls gute Durchblutung
Rumpf / Bauch10–14 TageHöhere Spannung, langsamere Heilung
Extremitäten (Arme/Beine)10–14 TageModerater Zug, gute Heilung
Gelenke (Knie, Ellbogen)14–21 TageHohe Belastung durch Bewegung
Fuss / Unterschenkel14–21 TageSchlechtere Durchblutung, langsamere Heilung

Der genaue Zeitpunkt steht im Procedere Ihres Entlassungsbriefs. Beim Fadenzug wird jeder einzelne Faden mit einer feinen Schere durchtrennt und mit einer Pinzette herausgezogen. Der Eingriff dauert wenige Minuten, ist meist schmerzlos und wird beim Hausarzt oder in der Chirurgie-Ambulanz durchgeführt.

Normwerte und Orientierungsgrössen zur Wundheilung

Medizinische Dokumente enthalten Werte und Zeitangaben, die ohne Kontext wenig bedeuten. Hier sind die wichtigsten Orientierungswerte zur Wundheilung zusammengefasst – damit Sie einordnen können, was «normal» bedeutet.

ParameterNormwert / OrientierungAbweichung
Drainagemenge für Entfernung< 20–30 ml / 24h, seröses SekretMehr: Drainage bleibt
Wundtemperatur (Oberfläche)Leicht wärmer als Umgebung normalStark überwärmt + Rötung: Infektion?
CRP nach OP (Tag 1–3)Erhöht bis 100–150 mg/l normalNach Tag 5 weiter steigend: Infektion?
Leukozyten nach OPLeicht erhöht (bis 12.000/µl) normalStark erhöht + Fieber: Infektion?
KörpertemperaturBis 38,0°C in den ersten 2 Tagen normalÜber 38,5°C ab Tag 3: abklären
Narbenreifung6–24 Monate bis zur vollen ReifungKeloid / hypertrophe Narbe: Behandlung möglich
Fadenzug Bauch10–14 Tage postoperativFrüher: Risiko Dehiszenz

Die Laborwerte CRP und Leukozyten nach einer Operation sind in den ersten Tagen physiologisch erhöht – das ist eine normale Reaktion des Körpers auf das chirurgische Trauma, keine Infektion. Ausführliche Erklärungen zu Laborwerten finden Sie auf unserer Seite Laboranalyse verstehen und unter Blutbild verstehen.

Wundheilungs-Fachbegriffe im Arztbrief – Praxisbeispiel

Um die bisherigen Erklärungen greifbar zu machen, hier ein fiktiver Auszug aus einem Wundbefund und Entlassungsbrief – mit vollständiger Übersetzung in Alltagssprache.

Beispielauszug Wundbefund (fiktiv, nur zur Veranschaulichung)

«Lokalbefund: Wunde reizlos, Wundränder adaptiert, kein Anhalt für Infektzeichen. Redon-Drainage in situ, Fördermenge 18 ml/24h seröses Sekret, wird heute gezogen. Subkutanes Hämatom 2×3 cm, stabil, keine Revisionsbedürftigkeit. Procedere: Heilung per primam erwartet. Fadenzug in 12 Tagen beim Hausarzt. Wundkontrolle in 5 Tagen.»

Übersetzung in Alltagssprache

Die Wunde sieht gut aus – keine Rötung, keine Schwellung, keine Zeichen einer Infektion. Die Wundränder liegen gut aneinander. Der Saugschlauch (Redon-Drainage) fördert nur noch wenig klare Flüssigkeit (18 ml in 24 Stunden) und wird heute entfernt. Unter der Haut hat sich ein kleines Bluterguss angesammelt (2×3 cm) – er ist stabil, wächst nicht und muss nicht operiert werden. Die Wunde sollte ohne Komplikationen direkt zuheilen (per primam). Die Nähte werden in 12 Tagen beim Hausarzt entfernt, eine erste Wundkontrolle findet in 5 Tagen statt.

Das ist insgesamt ein sehr guter Befund. Wer diesen Satz gelesen hätte ohne die Übersetzung, wäre möglicherweise beunruhigt gewesen – dabei ist es eine durchgehend positive Aussage. Genau für solche Momente ist arztbrief-verstehen.ch da. Laden Sie Ihren OP-Bericht oder Entlassungsbrief hoch und erhalten Sie Ihre persönliche Erklärung.

Weitere häufige Formulierungen im Wundbefund

«Wundränder adaptiert»

Die Wundränder liegen gut aneinander – die Naht hält, kein Klaffen.

«Kein Anhalt für Infektzeichen»

Kein Eiter, keine starke Rötung, keine Überwärmung – keine Infektion erkennbar.

«Epithelisierung schreitet fort»

Die Deckschicht der Haut wächst über die Wunde – aktive, gute Heilung.

«Regelrechte Granulation»

Das rötliche Füllgewebe wächst normal – die Wunde füllt sich von innen auf.

«Wundverhältnisse reizlos»

Alles sieht gut aus – keine Entzündungszeichen, normaler Heilungsverlauf.

«Trockene Wunde»

Kein oder kaum Sekret – die Wunde ist in der Ausheilungsphase.

Besondere Wundsituationen und ihre Fachbegriffe

Nicht jede Wunde ist gleich. Je nach Art der Operation, dem Körperbereich und dem Gesundheitszustand des Patienten gibt es besondere Wundsituationen, die eigene Fachbegriffe und Behandlungsstrategien mit sich bringen. Wer diese kennt, versteht den Arztbrief nach einer komplizierten Operation deutlich besser.

Chronische Wunden

Eine Wunde gilt als chronisch, wenn sie nach acht bis zwölf Wochen trotz adäquater Behandlung keine Heilungstendenz zeigt. Im chirurgischen Bericht finden Sie dann Begriffe wie «schlecht heilende Wunde», «chronisches Ulkus» oder «Wundkonditionierung». Häufige Ursachen für chronische Wunden sind Durchblutungsstörungen (pAVK – periphere arterielle Verschlusskrankheit), Veneninsuffizienz (Ulcus cruris venosum) und Diabetes mellitus (diabetisches Fusssyndrom). Die Behandlung umfasst Débridement, moderne Wundauflagen (z.B. Hydrokolloid, Schaumverband, Silberverband) und ggf. Unterdrucktherapie (VAC-Therapie).

VAC-Therapie (Vakuumversiegelung)

Die VAC-Therapie (Vacuum Assisted Closure) ist eine moderne Wundbehandlungsmethode bei schwierigen Wunden. Ein Schwamm wird in die Wunde eingelegt, luftdicht mit einer Folie abgeklebt und an eine Vakuumpumpe angeschlossen. Das Vakuum fördert die Durchblutung, saugt Sekret ab und regt das Granulationsgewebe an. Im Arztbrief: «VAC-Verband angelegt», «Wechsel des VAC-Verbands alle 3 Tage», «Wundkonditionierung mittels VAC». Diese Therapie wird oft bei grossen, tiefen Wunden oder Wundinfektionen eingesetzt.

Débridement

Débridement bezeichnet die Entfernung von abgestorbenem, infiziertem oder nicht vitalem Gewebe aus einer Wunde. Das ist notwendig, damit die Heilung ungehindert fortschreiten kann. Es gibt verschiedene Formen: chirurgisches Débridement (mit Skalpell oder scharfem Löffel), enzymatisches Débridement (mit Salben, die Gewebe auflösen), autolytisches Débridement (feuchte Verbände aktivieren körpereigene Enzyme) und biologisches Débridement (Maden fressen nekrotisches Gewebe). Im Arztbrief: «chirurgisches Débridement durchgeführt», «nekrotisches Gewebe entfernt», «Wundgrund nach Débridement gut durchblutet».

Keloid und hypertrophe Narbe

Manche Menschen neigen dazu, überschiessende Narben zu bilden. Eine hypertrophe Narbe ist erhaben und gerötet, bleibt aber innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen. Ein Keloid wächst über die Wundgrenzen hinaus und ist häufig juckend oder schmerzhaft. Keloidbildung ist genetisch bedingt und tritt häufiger bei dunklen Hauttypen auf. Behandlungsoptionen sind Silikonauflagen, Kortison-Injektionen, Druckverbände oder Laserbehandlung. Im Arztbrief: «hypertrophe Narbenbildung», «Keloid im Bereich der Schulter», «Narbenkorrektur empfohlen».

Wundbeurteilung nach TIME-Prinzip

In der professionellen Wundversorgung wird die Wunde häufig nach dem TIME-Prinzip beurteilt. Dieses Schema hilft, Wunden systematisch zu dokumentieren und zu behandeln. T steht für Tissue (Gewebezustand – lebendes, nekrotisches oder fibrinbelegtes Gewebe). I steht für Infection/Inflammation (Infektion oder Entzündung). M steht für Moisture (Feuchtigkeit – zu trocken, optimal feucht oder zu nass). E steht für Edge (Wundrand – gut vorankommend oder stagnierend). Im Wundprotokoll moderner Pflegeteams finden Sie diese Kategorien häufig.

Wundauflagen – Begriffe im Pflegebericht

Hydrokolloid-Verband

Selbstklebender Verband, der ein feuchtes Wundklima hält. Gut für flache, mässig sezernierende Wunden.

Schaumverband (Polyurethan)

Saugfähiger Verband für stark sezernierende Wunden. Hält Wundflüssigkeit auf und schützt die Wunde.

Alginate

Aus Meeresalgen gewonnene Wundauflage – sehr saugfähig, für stark nässende und infizierte Wunden.

Silberhaltige Verbände

Enthalten Silberionen mit antibakterieller Wirkung – bei infizierten oder infektionsgefährdeten Wunden.

Wichtig: Keine Diagnose und keine Therapieempfehlung

Diese Seite dient ausschliesslich der allgemeinen Verständlichkeit von Fachbegriffen zur Wundheilung. arztbrief-verstehen.ch ersetzt keine Ärztin, keinen Arzt und keine medizinische Beratung.

Bei Zeichen einer Wundinfektion (Rötung, Schwellung, Eiter, Fieber, starke Schmerzen), bei Aufgehen der Naht oder anderen beunruhigenden Veränderungen an der Wunde wenden Sie sich bitte immer direkt an medizinisches Fachpersonal oder im Notfall an die Notrufnummer 144.

Häufige Fragen zu Wundheilung und Fachbegriffen

Was bedeutet «Wundheilung per primam»?

«Per primam intentionem» bedeutet, die Wunde heilt direkt und ohne Komplikationen zu. Die Wundränder liegen gut aneinander, es gibt keine Infektion. Das ist der Normalfall nach einem geplanten chirurgischen Eingriff und eine positive Aussage.

Was ist seröses Sekret und ist es normal?

Seröses Sekret ist eine klare, wasserklare bis leicht gelbliche Wundflüssigkeit – Lymphe und Blutserum. Es ist in den ersten Tagen nach einer Operation völlig normal und zeigt, dass der Körper aktiv heilt. Erst wenn das Sekret trüb, eitrig oder stark riechend wird, kann eine Infektion vorliegen.

Was ist eine Redon-Drainage?

Eine Redon-Drainage ist ein dünner Saugschlauch, der nach einer Operation ins Wundgebiet eingelegt wird. Durch ein Vakuumsystem saugt er überschüssige Wundflüssigkeit aktiv ab. Sie wird entfernt, wenn die Fördermenge unter 20–30 ml/24h fällt und das Sekret klar ist.

Was bedeutet Wunddehiszenz?

Wunddehiszenz bedeutet, dass die Wunde wieder aufgeht – die Wundränder klaffen auseinander. Das ist eine Komplikation, die ärztlich behandelt werden muss. Risikofaktoren sind Infektionen, Spannung auf der Naht, Diabetes oder schlechte Durchblutung.

Was ist Granulationsgewebe?

Granulationsgewebe ist neu gebildetes, gefässreiches Bindegewebe, das bei der Wundheilung entsteht. Es füllt Wunddefekte von innen auf – rötlich-körnig aussehend. Es ist ein Zeichen aktiver, guter Heilung.

Wann wird der Faden nach einer Operation gezogen?

Der Zeitpunkt hängt von der Körperstelle ab: Im Gesicht nach 5–7 Tagen, am Rumpf nach 10–14 Tagen, an Gelenken nach 14–21 Tagen. Der genaue Termin steht im Procedere Ihres Entlassungsbriefs.

Was bedeutet «reizlose Wunde» im Arztbrief?

«Reizlose Wunde» bedeutet, die Wunde zeigt keine Zeichen einer Infektion oder Entzündung – keine Rötung, keine Schwellung, kein Eiter. Eine sehr positive Aussage.

Was ist ein Serom?

Ein Serom ist eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit unter der Haut nach einer Operation. Es fühlt sich wie eine weiche Beule an. Kleine Serome bilden sich von selbst zurück, grössere werden abgepunktiert.

Ist ein erhöhter CRP-Wert nach einer OP besorgniserregend?

Nicht automatisch. CRP steigt nach jeder Operation physiologisch an – das ist die normale Entzündungsreaktion auf das chirurgische Trauma. Ein erhöhter CRP am Tag 1–3 nach einer OP ist normal. Erst wenn er nach Tag 5 weiter ansteigt, muss eine Infektion ausgeschlossen werden.

Was bedeutet «Wundränder adaptiert»?

Die Wundränder liegen gut aneinander – die Naht hält, kein Klaffen, kein Aufgehen. Eine positive Formulierung im Wundbefund.

Wie lange dauert die vollständige Wundheilung?

Das hängt von der Wundart ab. Die äussere Wunde verschliesst sich nach einer Woche. Die tieferen Schichten (Faszie, Muskel) brauchen 6–8 Wochen. Die endgültige Narbenreifung dauert 6–24 Monate.

Kann ich meinen Entlassungsbrief mit Wundbefund online erklären lassen?

Ja. Auf arztbrief-verstehen.ch laden Sie Ihren Entlassungsbrief oder Wundbefund hoch und erhalten eine individuelle, verständliche Erklärung aller Fachbegriffe – ohne medizinisches Vorwissen.

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