An Arztbriefen scheitert das Verstehen selten am Fachwort selbst, sondern an den Kürzeln davor und dahinter, die niemand ausschreibt.
Kurz erklärt: Medizinische Abkürzungen sind verkürzte Schreibweisen für Diagnosen, Untersuchungen, Medikamente und Befunde. Die häufigsten: V.a. = Verdacht auf, Z.n. = Zustand nach, o.B. = ohne Befund, i.v. = in die Vene. Sie sind praktisch, aber nicht überall gleich geregelt – darum liest man sie immer im Zusammenhang des Berichts (Stand September 2026).
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- V.a. = Verdacht auf, eine noch nicht gesicherte Vermutung.
- Z.n. / St.n. = Zustand nach, ein bereits erlebtes Ereignis.
- o.B. = ohne Befund, also bei dieser Untersuchung unauffällig.
- i.v., p.o., s.c. beschreiben den Weg eines Medikaments.
- Kürzel sind nicht genormt – Kontext entscheidet.
- Eine Liste hilft beim Lesen, nicht beim Deuten des Ganzen.
Inhalt dieser Seite
Die wichtigsten Abkürzungen auf einen Blick
Statt langer Vorrede zuerst das, was die meisten suchen: eine sortierte Liste der Kürzel, die in Arztbriefen und Befunden am häufigsten auftauchen. Die Bedeutung steht in Alltagssprache daneben. Sie dient dem Nachschlagen – was ein Kürzel für Ihren Fall heisst, ordnet immer die Ärztin ein. Die Auswahl deckt die Kürzel ab, die in fast jedem Arztbrief vorkommen; speziellere Fachkürzel einzelner Disziplinen sind bewusst nicht dabei, damit die Liste übersichtlich bleibt. Wie die langen Fachwörter selbst gebaut sind – Vorsilbe, Wortstamm, Endung –, zeigt der Baukasten der medizinischen Fachsprache.
| Abkürzung | Ausgeschrieben | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| Dg. | Diagnose | die festgestellte Erkrankung |
| ED | Erstdiagnose | wann etwas zum ersten Mal festgestellt wurde |
| V.a. | Verdacht auf | vermutet, aber noch nicht bewiesen |
| DD | Differenzialdiagnose | weitere mögliche Erklärungen, die zu prüfen sind |
| a.e. | am ehesten | die wahrscheinlichste Erklärung |
| Z.n. / St.n. | Zustand / Status nach | ein bereits durchgemachtes Ereignis |
| o.B. | ohne Befund | unauffällig, nichts Krankhaftes gefunden |
| bds. | beidseits | auf beiden Seiten |
| re. / li. | rechts / links | Seitenangabe |
| AZ | Allgemeinzustand | der gesamte körperliche Zustand |
| RR | Blutdruck (nach Riva-Rocci) | der gemessene Blutdruck |
| i.v. | intravenös | in die Vene gegeben |
| p.o. | per os | über den Mund, als Tablette oder Saft |
| s.c. | subkutan | unter die Haut gespritzt |
| EKG | Elektrokardiogramm | Aufzeichnung der Herzstromkurve |
Für die vielen Kürzel im Blutbild lohnt sich die Spezialseite Blutbild-Abkürzung verstehen.
Wo im Bericht welche Kürzel stehen
Abkürzungen verteilen sich nicht zufällig. Jeder Abschnitt eines Arztbriefs hat seine typischen Kürzel. Wer weiss, in welchem Teil er gerade liest, kann ein Kürzel oft schon aus dem Zusammenhang erraten.
Ganz oben stehen die Diagnosen, oft nummeriert und gespickt mit V.a., Z.n. und DD. Im Status finden sich Zustandskürzel wie AZ und EZ, im Befundteil Labor- und Bildkürzel, und ganz am Schluss, im Procedere, die Medikamentenwege p.o. und i.v. Wie ein solcher Bericht als Ganzes aufgebaut ist, zeigt Arztbrief übersetzen.
Dieselbe Abkürzung kann im Diagnoseteil etwas anderes heissen als im Laborteil. «PT» ist im Verlauf oft Physiotherapie, im Labor ein Gerinnungswert. Der Abschnitt, in dem das Kürzel steht, gibt den entscheidenden Hinweis.
Warum Berichte überhaupt abkürzen
Warum kürzen Ärztinnen und Ärzte so viel ab? Ein Arztbrief muss schnell zu schreiben und für Fachpersonen schnell zu lesen sein. Kürzel sparen Zeit und Platz, und im Klinikalltag sind sie eine Art gemeinsame Kurzsprache. Für Fachleute ist «Z.n. OSG-Fraktur re., o.B. im Rö» in Sekunden erfasst.
Das Problem entsteht erst, wenn dieser Text bei Ihnen ankommt. Was für das Fachpersonal Tempo bedeutet, ist für Betroffene eine Mauer aus Buchstaben. Dazu kommt: Viele Kürzel sind Gewohnheit, nicht Vorschrift. Es gibt keine landesweit verbindliche Liste, die für alle Spitäler und Fachgebiete gleich gilt.
Ursprünglich stammen viele Kürzel aus dem Lateinischen, der alten Fachsprache der Medizin: «p.o.» von per os, «i.v.» von intra venam, «Rp.» von recipe für die Verordnung. Andere sind schlichte deutsche Verkürzungen wie «bds.» für beidseits. Diese Mischung erklärt, warum manche Kürzel logisch wirken und andere sich nur durch Nachschlagen erschliessen. Wichtig ist die Erkenntnis dahinter: Ein Kürzel ist nie ein eigenes Urteil, sondern nur eine platzsparende Schreibweise für etwas, das man auch ausschreiben könnte.
Kürzel nach Bereich sortiert
Neben den allgemeinen Kürzeln hat jeder Bereich seine eigenen. Die folgende Übersicht ordnet häufige Abkürzungen nach dem Ort, an dem sie meist auftauchen – so finden Sie schneller, was zu Ihrem Dokument passt.
| Bereich | Typische Kürzel | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Labor | Hb, Lc, Tc, CRP, Krea, BZ | Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten, Entzündungswert, Kreatinin, Blutzucker |
| Radiologie | CT, MRI, Rx / Rö, US / Sono | Computertomografie, Magnetresonanz, Röntgen, Ultraschall |
| Diagnosen | Dg., ED, V.a., DD, a.e. | Diagnose, Erstdiagnose, Verdacht, Alternativen, wahrscheinlichste |
| Medikamente | p.o., i.v., s.c., i.m., 1-0-1, tgl. | Einnahmeweg und Dosierschema (morgens-mittags-abends) |
| Status | AZ, EZ, RR, HF, SpO₂ | Allgemein- und Ernährungszustand, Blutdruck, Puls, Sauerstoff |
| Vorgeschichte | Z.n., St.n., anamn. | Zustand nach, anamnestisch (aus der Vorgeschichte) |
Radiologiekürzel führen oft zu Rückfragen, weil hinter «CT» oder «MRI» ein ganzer Befund steckt. Was in einem Bildbericht steht, erklärt Radiologie-Befund; wie eine Diagnosezeile zu lesen ist, vertieft Diagnose verstehen.
Besonders die Medikamentenzeile lohnt einen genauen Blick, weil dort Weg und Dosierung zusammenkommen. «Metamizol 500 mg p.o. 1-0-1» heisst: ein Schmerzmittel, 500 Milligramm, über den Mund, morgens und abends je eine Einheit, mittags keine. Das Dosierschema mit den drei bis vier Zahlen liest sich immer von morgens nach abends – eine Null steht für eine ausgelassene Einnahme.
Das Schema «1-0-1» wird manchmal als «eine Tablette, dann Pause, dann eine» über den Tag verteilt gelesen. Gemeint sind feste Tageszeiten: morgens 1, mittags 0, abends 1 – nicht ein Rhythmus in Stunden.
Ihr Bericht ist voller Kürzel?
Laden Sie Ihren Arztbrief oder Befund hoch und lassen Sie sich die Abkürzungen in verständlicher Sprache auflösen – abgestimmt auf Ihr Dokument, ohne Diagnose und ohne Therapieempfehlung.
Häufig verwechselte Abkürzungen
Einige Kürzel sehen ähnlich aus oder bedeuten das Gegenteil dessen, was man vermutet. Die folgenden Paare sind die häufigsten Stolperstellen – hier lohnt sich ein zweiter Blick. Der Unterschied ist oft klein geschrieben, aber gross in der Bedeutung: Er entscheidet, ob etwas vermutet oder gesichert, aktuell oder vergangen ist.
«Z.n. Myokardinfarkt» als «Verdacht auf einen Herzinfarkt jetzt» gelesen.
«Zustand nach Herzinfarkt» heisst: Der Herzinfarkt liegt in der Vergangenheit. Es ist ein Hinweis auf die Vorgeschichte, kein neues, akutes Ereignis – für die weitere Behandlung bleibt er trotzdem wichtig.
«o.B.» wird manchmal als «ohne Bedeutung» missverstanden. Es heisst «ohne Befund» – die Untersuchung war unauffällig. Gemeint ist also ein Ergebnis, nicht ein «egal».
Wenn dieselbe Abkürzung mehrere Dinge heissen kann
Die unangenehmste Eigenschaft medizinischer Kürzel: Sie sind nicht geschützt. Dieselben drei Buchstaben können in der Kardiologie etwas anderes bedeuten als im Labor oder auf der Intensivstation. Wer ein Kürzel im Internet nachschlägt und die erstbeste Auflösung nimmt, liegt deshalb regelmässig daneben.
«PRC» als Beispiel: ein Kürzel, zwei Welten
«PRC» ist ein gutes Beispiel. Am häufigsten steht es für packed red cells, also für ein Erythrozytenkonzentrat – die Blutkonserve mit roten Blutkörperchen, die bei einer Transfusion gegeben wird. In einem Bericht nach einer Operation oder aus dem Spital ist meist genau das gemeint. In anderen Fachgebieten tragen dieselben Buchstaben aber andere Auflösungen, etwa im Zusammenhang mit Laborbestimmungen. Welche Bedeutung gilt, entscheidet nicht das Kürzel, sondern der Abschnitt, in dem es steht.
| Woran Sie die richtige Auflösung erkennen | Beispiel |
|---|---|
| In welchem Abschnitt steht das Kürzel? | Unter «Therapie» oder «Verlauf» deutet PRC auf eine Transfusion, unter «Labor» auf einen Messwert. |
| Steht eine Einheit oder Menge dabei? | «2 PRC» spricht für Konserven, ein Wert mit Einheit für eine Laborbestimmung. |
| Welche Fachrichtung hat den Bericht geschrieben? | Chirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin verwenden andere Kürzel als Endokrinologie oder Nephrologie. |
| Wird das Kürzel im selben Bericht einmal ausgeschrieben? | Viele Berichte lösen ein Kürzel beim ersten Auftreten auf – meist ganz am Anfang. |
Bei einem mehrdeutigen Kürzel ist Nachfragen kein Zeichen von Unwissen, sondern der schnellste Weg zur richtigen Antwort. Ein Satz genügt: «Auf Seite 2 steht PRC – wofür steht das in meinem Fall?» Die Praxis oder das Spital, das den Bericht geschrieben hat, kann das in Sekunden auflösen. Eine Liste im Internet kann es nicht.
Kürzel, die nur in eine Richtung zeigen, sind dagegen eindeutig: «St. n.» und «Z. n.» markieren immer Vergangenes. Bei Zahlenwerten mit Einheit hilft Laborwerte verstehen.
Eine Diagnosezeile komplett auflösen
Ein einziger Satz aus dem Diagnoseteil zeigt, wie dicht Kürzel stehen können – und wie klar er wird, sobald man sie auflöst. Die folgenden Beispiele sind konstruiert und dienen nur der Erklärung.
«Dg. 1: St.n. distale Radiusfraktur re., ED 03/2026, konservativ; Rö o.B.»
Aufgelöst: Diagnose 1 ist ein Zustand nach einem Speichenbruch am rechten Handgelenk, erstmals im März 2026 festgestellt, ohne Operation behandelt. Die aktuelle Röntgenkontrolle zeigt keinen auffälligen Befund. Was das für den Heilungsverlauf bedeutet, ordnet Ihre Ärztin ein.
«RR 128/82 mmHg, HF 72/min, AZ gut, EZ normal, bds. o.B.»
Ein typischer Statusbefund: Blutdruck 128 zu 82, Puls 72 pro Minute, Allgemein- und Ernährungszustand gut, auf beiden Seiten unauffällig. Mehrere Kürzel, die zusammen eine unauffällige Untersuchung beschreiben.
«V.a. Cholezystitis, DD Gastritis; Sono folgt»
Vermutet wird eine Gallenblasenentzündung (Verdacht auf), als weitere Möglichkeit steht eine Magenschleimhautentzündung im Raum (Differenzialdiagnose). Ein Ultraschall soll die Frage klären. Nichts davon ist bereits gesichert – es ist ein offener Arbeitsstand.
In einem Austrittsbericht steht: «Z.n. Pneumonie re. Unterlappen, a.e. bakteriell; AB p.o. 7 Tage; AZ gebessert, Austritt nach Hause.» Für viele wirkt das bedrohlich.
Aufgelöst heisst es: Zustand nach einer Lungenentzündung im rechten Unterlappen, am ehesten durch Bakterien, mit Antibiotika über den Mund für 7 Tage behandelt. Der Allgemeinzustand hat sich gebessert, die Person konnte nach Hause. Aus einem Satz voller Kürzel wird eine verständliche Beschreibung einer behandelten Erkrankung. Was hinter den einzelnen Werten steckt, hängt vom Bericht ab (Stand September 2026).
So gehen Sie mit unbekannten Kürzeln um
Nicht jedes Kürzel steht in jeder Liste, und Raten führt in die Irre. Ein paar einfache Regeln helfen, sich ein Dokument selbst zu erschliessen – und zu erkennen, wo Nachfragen sinnvoller ist als Weitersuchen.
- Punkte beachten: Kürzel mit Punkten (V.a., Z.n., o.B.) sind meist Wortverkürzungen, Grossbuchstaben ohne Punkt (CT, EKG, CRP) oft Untersuchungen oder Werte.
- Abschnitt nutzen: Der Ort im Bericht schränkt die Bedeutung stark ein – Diagnoseteil, Status oder Therapie.
- Nicht isoliert googeln: Ein Kürzel allein hat oft mehrere Bedeutungen. Erst mit dem Zusammenhang wird die Suche verlässlich.
- Unsicheres markieren: Was Sie nicht sicher auflösen, notieren Sie für das Arztgespräch, statt sich auf eine Vermutung zu verlassen.
Fachbegriffe sind ein Baukasten
Neben den Kürzeln steht in fast jedem Bericht die zweite Hürde: die ausgeschriebenen Fachwörter. Die gute Nachricht zuerst: Medizinische Fachwörter sind fast nie willkürlich. Sie setzen sich aus wenigen, wiederkehrenden Teilen zusammen – meist einer Vorsilbe, einem Wortstamm für einen Körperteil und einer Endung, die sagt, was mit ihm ist. Wer diese drei Positionen erkennt, liest einen Begriff wie einen kleinen Satz.
Dieses Prinzip zieht sich durch alle Fachgebiete. «Arthr-» steht für Gelenk, «kardi-» für Herz, «nephr-» für Niere, «derm-» für Haut. Kombiniert mit einer Endung entsteht sofort ein Begriff: Arthrose ist Gelenkabnützung, Nephritis eine Nierenentzündung.
Warum diese fremde Sprache überhaupt? Die Wurzeln stammen aus dem Griechischen und Lateinischen, den alten Sprachen der Wissenschaft. Ihr Vorteil ist Eindeutigkeit: «Nephritis» meint überall dasselbe, egal in welchem Land oder Fachgebiet. Für Fachpersonen ist das ein Gewinn an Präzision – für Laien zunächst eine Hürde. Genau diese Hürde nimmt der Baukasten, sobald man ihn kennt.
Sie müssen nicht Latein lernen. Es genügt, eine Handvoll Endungen und ein paar Körperteil-Stämme zu erkennen. Damit erschliessen sich erstaunlich viele Begriffe – der Rest ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Die wichtigsten Endungen
Die Endung eines Fachworts verrät oft schon, worum es geht. Sie ist der zuverlässigste Baustein, weil sie fast immer dasselbe bedeutet – anders als der Wortstamm, der von Fach zu Fach variiert. Diese sechs Endungen decken einen grossen Teil der Begriffe ab, die in Berichten vorkommen, und lohnen sich am meisten zu merken.
| Endung | Bedeutet | Beispiel |
|---|---|---|
| -itis | Entzündung | Bronchitis – Entzündung der Bronchien |
| -ose | Zustand oder Erkrankung, oft nicht entzündlich, etwa eine Abnützung | Arthrose – Gelenkabnützung |
| -om | Geschwulst, Gewebeneubildung | Lipom – gutartige Fettgeschwulst |
| -pathie | Erkrankung, Leiden | Neuropathie – Nervenerkrankung |
| -ektomie | operatives Entfernen | Appendektomie – Blinddarmentfernung |
| -skopie | Betrachtung, Spiegelung | Gastroskopie – Magenspiegelung |
«Koloskopie: Divertikulose des Sigmas, keine Entzündung.»
Eine Darmspiegelung («-skopie») zeigt Ausstülpungen der Darmwand («Divertikulose», mit «-ose» also nicht entzündlich) im unteren Dickdarm. Eine Entzündung der Ausstülpungen («Divertikulitis») wird im Bericht ausdrücklich verneint.
«Z.n. Cholezystektomie, unauffällige Narbenverhältnisse.»
«-ektomie» heisst Entfernung, «Cholezyst» ist die Gallenblase: also Zustand nach Gallenblasenentfernung. Die Narbe ist unauffällig. Zwei Fachwörter, die zusammen eine überstandene Operation beschreiben.
Vorsilben: zu viel, zu wenig, wo
Vor dem Wortstamm sitzt oft eine Vorsilbe, die Menge oder Ort angibt. Zwei Paare tauchen besonders häufig auf und drehen die Bedeutung ins Gegenteil.
Diese Vorsilben sind mächtig, weil sie den ganzen Begriff kippen. Hyperthyreose ist eine Schilddrüsenüberfunktion, Hypothyreose die Unterfunktion – wenige Buchstaben Unterschied im Wort, ein grosser in der Bedeutung. Andere häufige Vorsilben: «peri-» für herum, «intra-» für innerhalb, «sub-» für unter. So beschreibt «subkutan» etwas unter der Haut und «intraartikulär» etwas innerhalb eines Gelenks. Auch hier gilt: Ist die Vorsilbe einmal bekannt, überträgt sie sich auf jedes neue Wort, in dem sie vorkommt.
Lage und Richtung im Körper
Berichte müssen genau sagen, wo etwas ist. Dafür gibt es feste Lage-Wörter, die immer dasselbe bedeuten – egal, ob es um einen Knochen, ein Organ oder eine Wunde geht.
| Begriff | Bedeutung | Merkhilfe |
|---|---|---|
| proximal | zur Körpermitte hin | nah am Rumpf |
| distal | von der Körpermitte weg | weiter aussen (Distanz) |
| ventral | zur Vorderseite | Bauchseite |
| dorsal | zur Rückseite | Rückenseite |
| lateral | zur Seite hin | aussen |
| medial | zur Mitte hin | innen |
Ein Satz wie «Fraktur am distalen Radius» heisst damit: Bruch der Speiche nahe am Handgelenk, also am körperfernen Ende des Unterarmknochens. Solche Lage-Wörter machen einen Befund präzise, aber auch fremd. In der Radiologie tauchen sie besonders oft auf – wie ein Bildbefund insgesamt aufgebaut ist, zeigt Radiologie-Befund.
«Lateral» wird manchmal mit «links» verwechselt. Es heisst aber «zur Seite hin», nicht links. Die Seite selbst steht separat, meist als «re.» oder «li.» für rechts und links.
Diese Lage-Wörter sind so verlässlich, dass sie über den ganzen Körper gleich funktionieren. «Proximal» ist am Arm wie am Bein immer die körpernahe Seite, «distal» die körperferne. Einmal verstanden, muss man sie nie neu lernen – ein grosser Vorteil, weil sie in fast jedem chirurgischen und radiologischen Befund vorkommen. Wer sie beherrscht, liest Ortsangaben, die sonst wie eine Geheimschrift wirken, mühelos.
Gegensatzpaare, die den Text strukturieren
Viele Fachbegriffe kommen als Paar. Sie ordnen einen Befund in ein Entweder-oder ein und sind darum besonders wichtig zu kennen – oft entscheiden sie, wie ernst etwas gemeint ist.
«benigne» und «maligne» unterscheiden sich nur in wenigen Buchstaben.
«benigne» heisst gutartig, «maligne» bösartig. Nur wenige Buchstaben Unterschied, aber eine der wichtigsten Unterscheidungen überhaupt – hier lohnt der genaue Blick immer.
| Begriff | Gegenstück | Bedeutung |
|---|---|---|
| akut | chronisch | plötzlich / lange bestehend |
| benigne | maligne | gutartig / bösartig |
| primär | sekundär | ursprünglich / als Folge |
| progredient | regredient | fortschreitend / rückläufig |
«Histologie: benigner Befund, kein Anhalt für Malignität.»
Die Gewebeuntersuchung zeigt einen gutartigen Befund, kein Hinweis auf Bösartigkeit. «Kein Anhalt für» ist die vorsichtige Art zu sagen: In der untersuchten Probe fand sich nichts, was auf etwas Bösartiges deutet. Was das für Sie bedeutet, bespricht Ihre Ärztin mit Ihnen.
Gerade diese Paare zeigen, warum einzelne Wörter nie isoliert gelesen werden sollten. «Kein Anhalt für Malignität» ist eine verneinende Aussage, «Malignitätsverdacht» eine offene – dieselbe Wurzel, gegensätzliche Botschaft. Steht ein solcher Verdacht noch im Raum, erklärt maligne – Bedeutung, was hinter dem Begriff steckt. Der Kontext um das Wort herum entscheidet fast immer über seine Bedeutung.
Kleines Glossar häufiger Wortteile
Zum Nachschlagen: die Wortstämme, die in Berichten immer wieder auftauchen. Kombiniert mit den Endungen von oben erschliessen sie einen grossen Teil der Fachsprache. Ein Stamm plus eine Endung ergibt oft schon den ganzen Begriff – «hepat» plus «-itis» wird zu Hepatitis, der Leberentzündung, «neur» plus «-om» zum Neurom, einer Nervengeschwulst.
| Wortteil | Körperteil / Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| kardi- | Herz | Kardiologie |
| pulmo- | Lunge | pulmonal |
| hepat- | Leber | Hepatitis |
| nephr- / ren- | Niere | Nephrologie, renal |
| gastr- | Magen | Gastritis |
| oss- / osteo- | Knochen | ossär, Osteoporose |
| derm- | Haut | Dermatitis |
| neur- | Nerv | Neurologie |
Wer einen ganzen Satz statt einzelner Wörter übersetzt haben möchte, findet den grösseren Rahmen bei Befund verstehen und für die Diagnosezeile bei Diagnose verstehen. Dieses Glossar ist bewusst kurz gehalten: Es sammelt die Bausteine, die wirklich oft vorkommen, statt eine vollständige Wörterliste zu sein – denn ein paar sichere Bausteine bringen im Alltag mehr als hundert Begriffe, die man nie wieder braucht.
Warum Ihre Abkürzungen hier erklären lassen?
Sie laden Ihren Bericht hoch und erhalten die Kürzel aufgelöst und in ganzen Sätzen erklärt – bezogen auf Ihr Dokument, nicht auf eine allgemeine Liste.
So läuft es ab
PDF, JPG, JPEG oder PNG bis 30 MB insgesamt.
Die Kürzel werden aufgelöst und erklärt.
Abkürzungen und Begriffe übersetzt.
Zugangslink, 7 Tage gültig.
Transparenz: Für wen diese Seite ist – und wo ihre Grenzen liegen
Für wen geeignet?
Für alle, die in einem Arztbrief, Labor- oder Radiologiebericht auf unbekannte Kürzel stossen und wissen möchten, was sie bedeuten – zum Nachschlagen oder als Vorbereitung auf ein Gespräch.
Was erklärt wird
Bedeutung und Auflösung häufiger medizinischer Abkürzungen, wo im Bericht sie stehen, wie man sie nach Bereich sortiert und welche man leicht verwechselt – in Alltagssprache, mit konstruierten Beispielen (Stand September 2026).
Was bewusst nicht angeboten wird
Keine Diagnose, keine Therapieempfehlung und keine Deutung, was die aufgelösten Begriffe für Ihre Gesundheit bedeuten. Das gehört zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Verantwortlich für den Inhalt: Betreiber gemäss Impressum. Zuletzt aktualisiert: September 2026.
Kürzel, Codes und die Rechnung
Ein Teil der Abkürzungen im Bericht ist Fachsprache, ein anderer Teil ist Systematik. Diagnosen und Prozeduren müssen nach Art. 42 Abs. 3bis KVG codiert auf der Rechnung erscheinen, und zwar nach den vom zuständigen Departement herausgegebenen schweizerischen Fassungen der Klassifikationen. Deshalb begegnen Ihnen dieselben Kürzel zweimal: im Bericht als Kurzschrift, auf der Abrechnung als Code.
Die Rechnung selbst muss nach Art. 42 Abs. 3 KVG detailliert und verständlich sein, und der Leistungserbringer muss die Angaben liefern, mit denen sich die Berechnung nachvollziehen lässt. Bei stationärer Behandlung weist er die Anteile von Kanton und Krankenkasse gesondert aus. Was davon bei Ihnen bleibt, sind Franchise und Selbstbehalt. Für den Befundtext selbst gibt es keine entsprechende Vorgabe: Er ist Fachkorrespondenz und bleibt deshalb in der Kurzschrift der jeweiligen Fachrichtung.
Viele Abkürzungen haben je nach Fachgebiet verschiedene Bedeutungen. Massgebend ist der Zusammenhang im Bericht, nicht die häufigste Auflösung. Diese Seite erklärt gebräuchliche Kürzel und nimmt keine Beurteilung vor.
Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Krankenversicherung: Kostenbeteiligung für in der Schweiz wohnhafte Versicherte. Externe Quelle, zuletzt geprüft am 15. September 2026.
Wichtig: Keine Diagnose und keine Therapieempfehlung
arztbrief-verstehen.ch löst Abkürzungen auf und erklärt die Sprache Ihres Berichts verständlich. Der Service ersetzt keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Behandlung. Ein aufgelöstes Kürzel sagt, was gemeint ist, aber nicht, was es für Ihre Gesundheit bedeutet.
Weil Abkürzungen nicht überall gleich verwendet werden, kann dieselbe Auflösung im Einzelfall abweichen. Bei Unsicherheit oder Sorge zählt das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich direkt an eine medizinische Fachperson oder bei einem Notfall an den Notruf 144.
Häufige Fragen zu medizinischen Abkürzungen
Was bedeutet V.a. im Arztbrief?
V.a. steht für «Verdacht auf». Es kennzeichnet eine noch nicht gesicherte Diagnose, die durch weitere Untersuchungen bestätigt oder ausgeschlossen werden soll. «V.a. Pneumonie» heisst also: Eine Lungenentzündung wird vermutet, ist aber noch nicht bewiesen. Es ist bewusst eine Arbeitshypothese, keine feststehende Diagnose (Stand September 2026).
Was heisst Z.n. oder St.n. in einem Bericht?
Z.n. bedeutet «Zustand nach», St.n. «Status nach» – beide meinen dasselbe. Sie beschreiben ein Ereignis oder einen Eingriff, den Sie bereits hinter sich haben. «Z.n. Appendektomie» heisst: nach einer Blinddarmentfernung. Es ist ein Hinweis auf die Vorgeschichte. Ob ein früheres Ereignis für Ihre heutige Behandlung noch eine Rolle spielt, ordnet Ihre Ärztin ein.
Was bedeutet o.B. in einem Befund?
o.B. steht für «ohne Befund»: Bei dieser Untersuchung wurde nichts Auffälliges festgestellt. In einem Röntgen- oder Laborbericht heisst «o.B.», dass im untersuchten Bereich kein krankhafter Befund gefunden wurde. Es bedeutet nicht, dass gar nichts untersucht wurde.
Was bedeuten i.v., p.o. und s.c. bei Medikamenten?
Diese Kürzel geben den Verabreichungsweg an. i.v. heisst intravenös, also in die Vene, p.o. per os, das heisst über den Mund als Tablette oder Saft, und s.c. subkutan, also unter die Haut gespritzt. Sie sagen, wie ein Medikament in den Körper gelangt, nicht was es bewirkt.
Sind medizinische Abkürzungen überall gleich?
Nein. Viele Kürzel sind verbreitet, aber nicht streng genormt. Dieselbe Abkürzung kann je nach Fachgebiet oder Spital Verschiedenes heissen. «PT» kann etwa Physiotherapie oder einen Gerinnungswert meinen. Darum wird eine Abkürzung immer im Zusammenhang des Berichts gelesen, nie isoliert.
Ersetzt eine Abkürzungsliste die ärztliche Erklärung?
Nein. Eine Liste hilft, einzelne Kürzel aufzulösen, aber nicht, den ganzen Bericht richtig zu deuten. Was die aufgelösten Begriffe für Sie bedeuten, ordnet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ein. Diese Seite unterstützt beim Lesen und Vorbereiten von Fragen, ersetzt aber keine ärztliche Beurteilung.
Wie sind medizinische Fachbegriffe aufgebaut?
Die meisten Fachwörter bestehen aus wenigen Bausteinen: einer Vorsilbe für Menge oder Ort, einem Wortstamm für einen Körperteil und einer Endung für das, was mit ihm ist. «Gastritis» ist zum Beispiel Magen plus Entzündung. Wer diese Teile erkennt, kann viele Begriffe selbst erschliessen (Stand September 2026).
Was bedeutet die Endung -itis?
Die Endung «-itis» steht immer für eine Entzündung. «Bronchitis» ist eine Entzündung der Bronchien, «Dermatitis» eine Hautentzündung, «Nephritis» eine Nierenentzündung. Wer diese Endung erkennt, weiss sofort, dass es um einen entzündlichen Prozess geht, und muss nur noch den Körperteil davor bestimmen.
Was heissen hyper- und hypo-?
Hyper- bedeutet zu viel oder zu hoch, hypo- zu wenig oder zu tief. «Hypertonie» ist hoher Blutdruck, «Hypotonie» tiefer Blutdruck, «Hyperthyreose» eine Schilddrüsenüberfunktion und «Hypothyreose» die Unterfunktion. Wenige Buchstaben entscheiden über die Richtung der Aussage.
Verwandte Seiten rund um Berichte und Begriffe
Medizinische Abkürzungen verstehen – bezogen auf Ihren Bericht
Sie haben einen Arztbrief oder Befund voller Kürzel, die Sie nicht sicher auflösen können? arztbrief-verstehen.ch übersetzt die Abkürzungen und die Fachsprache in verständliche Alltagssprache – abgestimmt auf Ihr Dokument, ohne Diagnose oder Therapieempfehlung und mit konkreten Fragen für Ihr nächstes Arztgespräch.
